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Vor 70 Jahren: Kriegsende an der Untermosel im März 1945

Rudolf Schäfer, Kuratorium für Heimatforschung und -pflege Kobern-Gondorf, Kobern im März 2010

Vor 70 Jahren: Kriegsende an der Untermosel im März 1945 – das ist fast eine Ewigkeit her. Aber es gibt noch Menschen, die selbst hautnah das Kriegsende erlebt haben. Wir können von ihnen Informationen aus 1. Hand erhalten.

Das Kuratorium für Heimatforschung und -pflege Kobern-Gondorf hat eine Broschüre mit dem Titel „… bevor es vergessen wird" herausgebracht, um die wertvollen Erinnerungen von Zeit-zeugen vor dem unwiederbringlichen Vergessen zu bewahren. Aus den Erinnerungen dieser Zeitzeugen, aus persönlichen Briefen und Tagebüchern entstand die Broschüre „… bevor es vergessen wird", die noch einmal deutlich machte, wie schrecklich Krieg und wie wertvoll Friede ist. Die Broschüre „… bevor es vergessen wird" ist für 5,80 € an folgenden Stellen zu erwerben:

  • Vorsitzender des Kuratoriums für Heimatforschung und -pflege Hans-Toni Dickers,
    Im Geispfad 8, Kobern-Gondorf, Tel. 02607-1651
  • Ortsgemeinde Kobern-Gondorf, Lennigstraße 12

Broschüre Kriegsende an der Untermosel

Aus dieser Broschüre wird hier ein Auszug wiedergegeben, der besonders die letzten Kriegstage des März 1945 beleuchtet, bis es zu dem ersehnten Frieden für Kobern-Gondorf kam.

Feindlage: Freitag 09.03.1945
„Der erste amerikanische Stoßtrupp erreicht Kobern"

Oberkommando West: Das US-Brückenbau-Bataillon 88 wird bei der 4. Panzer-Division festgestellt. Es herrschte keine Kampftätigkeit.

Hedwig Hähn: „Am 09.03.1945 kamen nun die ersten Panzer zu uns (auf den Scheidterhof). Frau Kreuter, die wohnte bei uns, weil sie in Güls ausgebombt war, hängte ein weißes Betttuch aus dem Fenster. Wir liefen alle auf die Strasse und streckten die Hände hoch. Die Amis rollten hier vorbei. Einer, welcher obendrauf saß, richtete seine MP auf uns. Ich ließ mich gleich auf die Erde fallen. Er hatte wohl seinen Spaß, weil wir Angst hatten. Als sie wieder weg waren, muss-ten wir die weiße Fahne aber schnell wieder vom Fenster rein holen, weil die SS sich noch im Kevergrund versteckt hatte und wir große Angst hatten, dass sie uns was antun. So ging das einige Tage hin und her."

Peter Moritz: „Dann stießen die ersten Panzer, aus dem Mühlental kommend, in den Ort (Kobern) vor. Die Bevölkerung erwartete sie an der Straßenseite in ruhiger und gefasster Haltung. Weiße Tücher und Fahnen wurden zum Zeichen der friedlichen Gesinnung teils geschwenkt oder herausgestreckt. Schwer bewaffnet saß oder stand die Besatzung auf den Panzern und sicherten mit den Mündungen ihrer Waffen Fenster, Dach- und Kellerluken. Doch verlief alles ruhig. Bald kehrten die Panzer wieder zurück und verschwanden in den Talstraßen zu den Höhen, denn auf der rechten Moselseite, in Dieblich, hatte ein Trupp der Waffen-SS Stellung be-zogen. Es war noch nicht soweit".

Kriegsende UntermoselAlois Pickel: „Von Achterspann über Sollig kommend rollten am Freitag, den 09. März 1945, zehn amerikanische Panzer in Kobern ein. Jeder durchfuhr eine Straße, wobei einer zum Fährkopf rollte, auf der Dieblicher Seite ein aus Richtung Cochem kommendes Auto entdeckte und dieses beschoss. Kobern wird nach deutschen Soldaten durchsucht und dabei werden neun gefangen, die sich an der Stufe am Haupteingang zur Kirche an die Kirchenmauer mit erhobenen Händen aufstellen mussten, bewacht von einem amerikanischen Panzer mit aufgesessenen Amerikanern. Einer der deutschen Soldaten war betrunken und stand nicht ruhig, ließ die erhobenen Hände wieder sinken. Nach Aufforderung von amerikanischer Seite, die Hände hoch zu halten, zeigte ein anderer deutscher Gefangener mit einer Geste an, dass der Kamerad betrunken sei. Ein auf dem Panzer aufgesessener GI verstand das wohl falsch und schoss dem aufmerksam Machenden ins Bein. Den hat man mit den übrigen deutschen Gefangenen auf die Panzer geladen und Kobern verlassen."

Peter und Jakob Christ: „Es hieß auf einmal, oben beim Hähn (Gaststätte an der Kirche) sind die Amerikaner. Als „Kerlcher" (11/14 Jahre) sind wir da oben hin gegangen und uns vorne vor den Hähn hingestellt neben die Eingangstür und geguckt. Da hat der Panzer schon da bei „Schunke Gretche", gegenüber der Kirche, gestanden. Die Amerikaner sind darum gelaufen, denn es waren noch ein paar Mann von Deutschen als Rest in Kobern. Da war einer, der hieß „Hase", der war jeden Tag voll. Auf einmal kam er von der Isenburgstraße, und ich konnte sehen, er war schon am schwanken. Er konnte nicht mehr weglaufen. Er wurde dann zu den an-deren 6 deutschen Soldaten auf die erste Stufe an der Kirche gestellt. Er war dann ungefähr der 2. oder 3. in der Reihe, und der hat ja geschaukelt. Die Gefangenen mussten die Arme hinter dem Kopf verschränken. Als dann einem die Arme runterfielen, ist ein Schuss gefallen und der Soldat wurde ins Schienbein getroffen. Alle kamen auf den Panzer und wurden abtransportiert."

Feindlage: Samstag 10.03.1945
„Das Maifeld ist schon fest in amerikanischer Hand"

Oberkommando West: Wolken, Lonnig, Rüber, Polch sind feindbesetzt. Der Feind drang mit Panzern von Kesselheim in Lützel ein. Der eigene Brückenkopf bei Winningen musste aufgegeben werden. Ein amerikanischer Stoßtrupp sprengt gegen 22 Uhr das Viadukt an der Koberner Fähre.

Kriegsende Kobern - Sprengung ViaduktAlfred Scherer: „Eines Tages sprengten die Amerikaner die Brücke der im Bau befindlichen Moselstraße, die Eisenbahnbrücke nicht. Durch die große Detonation gingen viele Scheiben im Dorf kaputt. Das Dach der Kirche hob sich und einige Kirchenfenster wurden beschädigt. Auf der Ecke der Fährstraße zur Mosel runter stand „Schmittchens Häuschen" neben dem Wohnhaus der jüdischen Familie Koppel. Darunter war dann noch ein Weinkeller. Das wurde alles weggesprengt, damit das amerikanische Brücken- und Schwimmmaterial und die amerikanischen Panzer an die Fährrampe gelangen konnten."

Alois Pickel: „In den frühen Abendstunden des 10. März 1945, einem Samstag, kommt ein amerikanischer Stoßtrupp durch die Kirchstraße, dem ich mich anschließe und mit meinem Schul-Englisch eine Unterhaltung führe. Sie marschieren bis zum Fährkopf und sichern diesen ab. Dann erscheinen zwei Lkw, beladen mit Kisten, die an der Unterführung der im Bau befindlichen heutigen B 416 anhielten und die Kisten unter der Unterführung aufstapelten. Auf meine Frage: „Wofür ist das?" bekam ich keine Antwort, die gab es abends nach 10 Uhr, als eine gewaltige Detonation Kobern erschütterte. Die Kisten enthielten also Dynamit. Was war geschehen? Durch die Explosion hing die Decke der Unterführung herunter, aber durch die Druckwelle wurde einiges in der Nachbarschaft zerstört und beschädigt. Das Haus Schmitt, das Haus Koppel. Der Saalbau Simonis, viele Dächer und mansche Glasscheibe gingen zu Bruch."

Feindlage: Sonntag 11.03.1945
„Flieger und Artillerie beschießen die rechten Moselhöhen"

Oberkommando West: Verstärkte Flieger- und Artillerietätigkeit – örtliche Angriffe.

Alois Pickel: „In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1945 setzten deutsche Soldaten von der Dieblicher Seite über die Mosel und bezogen am Montag, den 12. März in Kobern Stellung, bauten unter anderem ein MG-Nest auf die Felskuppe der nach Sollig führenden Straße ober-halb von Anheiers Mühle, schleppten Tannenstämme aus dem Graben vor der Mühle, die der Volkssturm von der darüber liegenden Panzersperre dort hinein geworfen hatte. Die aufgehängten weißen Fahnen mussten verschwinden. Auf der Brücke oberhalb von Anheiers Mühle befanden sich 2 SS-Soldaten mit einem Funkgerät, als plötzlich ein amerikanischer Jeep erscheint. Dessen Fahrer erkennt die Situation und wendet rasch, wobei ein Amerikaner aus dem Jeep geschleudert wird. Der Jeep verschwindet in Richtung Sollig."

Feindlage: Montag 12. März 1945
„Stoßtrupps der Amerikaner und der Waffen-SS kämpfen um Kobern"

Oberkommando West: Der Brückenkopf Cochem muss geräumt werden.

Kriegsende Untermosel - Übersetzen über die MoselPeter Moritz: „Bald wurde auch bekannt, dass die Waffen SS dort Vorbereitungen zum Übersetzen über die Mosel traf. Die Bevölkerung wurde gewarnt und die weißen Tücher überall eingezogen, denn es war ein Spiel mit dem Leben. Nur wenige SS-Soldaten landeten am Koberner Ufer. Nach einem Geplänkel, welches den Deutschen einige Verwundete kostete, zogen sich diese wieder auf die andere Moselseite zurück, wurden aber bei der Überfahrt durch die Amerikaner von einem Felsvorsprung des Rosenberges beschossen. Es soll auch hierbei Verluste gegeben haben. Mann konnte die Leuchtspur dieser Geschosse am hellen Tage beobachten".

Der Volkssturm hatte sich vor der Ankunft der SS versteckt oder war geflüchtet.

Alois Pickel, Güls, berichtet: „In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1945 beschoss die amerikanische Artillerie über die Mosel setzende SS und auch Kobern, wobei Phosphorgranaten zum Einsatz kamen. Eine entzündete das Haus „Hinden" (Mohr) in der Kronenberger Straße. Bei den Löscharbeiten verliert Pastor Kreutz sein Augenlicht".

Kriegsende UntermoselBruno Woyke (Obersturmführer, Kompaniechef der 2. Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Dieblich): „Schließlich konnten wir die ersten Amerikaner an einem Morgen am jenseitigen Ufer (in Kobern) erkennen. Es gelang der Brückenkopfbesatzung in Kobern diese Vorhut aufzuhalten. Ein sofort eingesetzter Spähtrupp meldete einen sehr starken Gegner im Anmarsch."

Feindlage: Dienstag 13. März 1945
„Die SS zieht sich über die Mosel zurück – Kobern wird „befreit"

Oberkommando West: Angriff der 87. und 4. US-Infanterie-Division mit der 11. Panzer-Division über die linke Flanke. Der Brückenkopf Karden geht verloren. Die 87. US-Infanterie-Division sammelt sich in Wolken und bereitet den Moselübergang vor. Der erste Verband der 6. SS-Gebirgs-Division – die Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 – trifft aus dem Saarland in Niederfell ein und wird sofort eingesetzt.

Karl-Hans Scheu (Oberleutnant, Kompaniechef der 4. (schw.) Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Niederfell):Am frühen Morgen des 13.03.45 erreichte die 4. Kompanie der 6. SS-Gebirgs-Division Niederfell, wo sich der Gefechtsstand im Gasthof Ww. Flöck? befand. Ich sollte den Abschnitt Oberfell-Dieblich übernehmen. Noch am gleichen Tag wurde ein stehender Spähtrupp für Gondorf und Kobern übergesetzt und ein Doppelposten für die Verbindung nach Dieblich eingerichtet."

Kriegsende Untermosel - Panzer in SolligAnna Henzgen: „Die Amerikaner kamen wieder zurück nach Sollig. Sie brachten 13 Panzer von Linsels an oberhalb von Sollig in Stellung. Mein Vater sagte: „Wenn einer schießen muss, bleibt in Sollig keine Fensterscheibe mehr ganz".

Bruno Woyke (Obersturmführer und Kompaniechef in Dieblich): „Per Funk erhielt ich die Meldung, dass der Feind an verschiedenen Stellen bereits die Mosel überschritten hatte. Mein erster Befehl galt den rückwärtigen Teilen (der Kompanie). Diese sollten sich zur Division nach Boppard durchschlagen. Der Gefechtslärm war nun auch hinter uns zu hören (auf dem Hunsrück). Am Westufer (in Kobern) näherten sich die Amerikaner in breiter Front. Mir war klar, dass bei der Übermacht weder ein Aufhalten noch eine Verteidigung unserer Stellung möglich war. Jeder Schuss wäre Selbstmord gewesen und mit Sicherheit die Vernichtung des Ortes Dieblich. Alles brauchbare Kriegsgerät wurde gesprengt".

Der Fährmann Jakob Sonnetti von Gondorf wird erschossen

Denkmal Sonnetti in GondorfEin Spähtrupp der Amerikaner fuhr am 13.03.1945 in Gondorf ein. Es gab ein Feuergefecht, wobei ein kleiner deutscher Stoßtrupp, der sich in Gondorf befand, versprengt oder gefangen genommen wurde. Die SS wollte die Gondorfer Fähre zur Verfügung haben, um die versprengten Soldaten retten zu können. Dem Fährmann wurde zugerufen, die Fähre nach Niederfell zu bringen. Der Fährmann Jakob Sonnetti stellte sich in seinen Kahn und wurde nach 2/3 der Fahrt von der Bordkanone eines amerikanischen Panzerspähwagens, der sich zwischen den Felsen des Straßendurchganges in Gondorf versteckt hielt, beschossen. Der Fährmann fiel getroffen vornüber. Der Kahn kam 10 m vom Niederfeller Ufer entfernt zum Stehen. Der in den Rücken Getroffene wurde geborgen und zu einem zufällig anwesenden Truppenarzt geschafft, der nach einer Untersuchung mit dem Kopf abwinkte. Der Fährmann erlag
seinen schweren Verletzungen. Ihm wurde das Band zum Eisernen Kreuz angeheftet.

Gondorfer Schulchronik: „Die ganze Zeit, Tag und Nacht, schoss die amerikanische Artillerie, die in der Nähe der Heidgermühle (Besitzer Peter Bermel) stand, über Gondorf nach Niederfell. In Niederfell entstand mancher Brand, es wurden auch Menschen verletzt und getötet. Endlich hatten sich doch einige Amerikaner in Gondorf festgesetzt, aber die jenseitigen Moselhöhen waren von der Waffen-SS noch besetzt. Da mussten alle Zivilisten Gondorf räumen und nach Dreckenach gehen. Dort wurden die Männer auf einer eingezäunten Wiese bewacht. Die Frauen wurden in Scheunen untergebracht, damit sie nicht so der Kälte ausgesetzt waren. Nur die bettlägerigen Kranken durften in Gondorf bleiben, sie mussten aber alle in die Niederburg gebracht werden. Die Frau des Matthias Schmitt (Eisenbahner), neben Heinrich Wilbert, Hauptstraße wohnend, kam in Wochen; Amerikaner brachten sie mit einem Jeep fort und brachten sie auch nach der Entbindung mit dem Kind wieder zurück. 3 Tage und Nächte dauerte der Aufenthalt in Dreckenach. Von jeder (Gondorfer) Bauernfamilie durfte am Morgen und am Abend eine Person nach Gondorf, um das Vieh zu füttern. Endlich am dritten Tag wurde der Übergang über die Mosel bewerkstelligt, bei Kobern wurde aus Heeresgerät eine Brücke geschlagen. Die amerikanischen Soldaten zogen über den Hunsrück weiter, die Zivilisten kehrten von Dreckenach nach Gondorf zurück".

Feindlage: Mittwoch 14. März 1945 „Die Amerikaner überqueren die Mosel"

Oberkommando West: Die Nacht zum 14. März 1945 verläuft sehr unruhig mit starkem Artilleriefeuer auf Straßen und Kreuzungen. Der erwartete Angriff der Amerikaner begann am 14. März. Ab 02:00 Uhr setzte die 90. US-Infanterie-Division über die Mosel, zunächst zwischen Alken und Burgen und später auch bei Kobern und Gondorf. Sie konnte auf dem Ostufer Fuß fassen und mit 2 Infanterie-Regimentern der 90. US-Infanterie-Division auf dem Ostufer der Mosel in Dieblich und Niederfell Brückenköpfe bilden. Am Abend wurden diese bis auf die Höhen ausgedehnt.

Bruno Woyke (Obersturmführer, Kompaniechef der 2. Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Dieblich): „Kaum war das brauchbare Kriegsgerät gesprengt wurde, mir gemeldet, dass die „Amis" in Dieblich eingedrungen wären. Gefechtslärm von leichten Waffen bestätigte dies dann auch. Die Sprengung der Pak hatte die Amerikaner erst auf das Vorhandensein von uns auf-merksam gemacht. Nun war klar, somit konnte davon ausgegangen werden, dass Dieblich von jeglichem Beschuss verschont blieb und keine Opfer bei der Bevölkerung zu befürchten wären. Für uns Soldaten in unserem Gefechtsstand im Keller eines Hauses (in Dieblich) wurde die Lage immer kritischer. Unsere Hausbesitzerin (Frau Scherhag) stürzte in den Keller und berichtete total aufgeregt, dass die Amerikaner vor ihrer Tür ständen. Nun gab es nicht mehr viel zu überlegen. Der Kompanietrupp und ich beluden uns mit den wichtigsten Dingen, vernichteten Feldfernsprecher mit den dazugehörenden Unterlagen, um dann mit Handfeuerwaffen in den Händen die „Absetzbewegung" zu beginnen. Einer nach dem anderen aus dem Keller robbend verließ auf diese Art unseren Gefechtsstand. Teils kriechend, teils laufend gelang es uns in der Deckung der Häuser und Gärten Dieblich Richtung Koblenz zu verlassen. Da wir uns ja hinter den Amerikanern befanden, kamen wir nur sehr langsam und vorsichtig vorwärts. Am späten Abend hatten wir es dann geschafft und ich konnte mich bei der Division in Boppard melden."

Karl-Hans Scheu (Oberleutnant, Kompaniechef der 4. (schw.) Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Niederfell): „Am frühen Morgen ... kam dann die Meldung des Postens zwischen Nie-derfell und Dieblich, dass der Feind mit Schlauchbooten in großer Zahl übersetze und sich bereits auf der Höhe zwischen Niederfell und Dieblich festgesetzt hätte unter Feuerschutz seiner Artillerie. Die beiden Pendelposten beschossen die Anfänge, wurden dann aber durch Panzer und Artillerie niedergehalten. Nur mit Mühe seien sie zur Meldung nach Niederfell durchgekommen. Meine Kampfstärke betrug 20 Mann. ... Unser Entschluss war, die Höhe zu erreichen. Als wir unter stetem Beschuss, sobald wir uns zeigten, nach ca. einer halben Stunde die Höhe erreichten, war festzustellen, dass der Gegner den Rand der Höhe zur Mosel hin mit mindestens 2 Kompanien besetzt hatte und sich eingrub. Die Mosel war voll von Booten und Kähnen. Wir versuchten einen Angriff, der aber über freie Fläche nicht voran kam, zudem erhielten wir schweres Artilleriefeuer, sodass ich den Befehl gab „Zurück".

90th US-Infantry Division history:The enemy expected a crossing, but nevertheless were una-ble when it was actually launched at two o'clock in the morning of March 14th. Only sporadic small arms and machine fire greeted the 357th as it moved silently across the river in assault boats on the Division left sector. One crossing was made south of Katennes, the other south of Löf."

(„Der Feind erwartete eine Überquerung, aber trotzdem war er nicht in der Lage, die Ausführung zu verhindern, als die Boote tatsächlich um 02:00 Uhr am Morgen des 14. März zu Wasser gelassen wurden. Nur sporadisch begrüßten die 357ste Kleinfeuerwaffen und Maschinengewehre, als sie leise den Fluss mit Schlauchbooten auf dem linken Sektor der Division überquerten. Eine Überquerung erfolgte südlich von Kattenes, eine andere südlich von Löf.")

Kriegsende Untermosel - Überquerung Mosel Kobern 16.03.1945

Insgesamt setzt die 3. amerikanische Armee an diesem Tag 14 Bataillone von Treis bis Kobern über die Mosel. Die Entscheidung an der Mosel war gefallen.

Feindlage: Donnerstag 15. März 1945
„Die Hauptkampflinie verschiebt sich in den Hunsrück"

Oberkommando West: Am Morgen des 15.3.45 konnten die Amerikaner die Brückenköpfe Niederfell-Dieblich vereinigen und bis Waldesch vordringen. Die neue Hauptkampflinie verlief von Lay-Waldesch-Pfaffenheck-Macken.

Alois Pickel, Güls, berichtet: „Panzer auf Panzer rollten am 15. März in Kobern ein, alle Straßen waren vollgestellt". In der Nacht zum 15.03.1945 wurden in Kobern und Hatzenport Pontonbrücken gebaut, über die Panzer in Richtung Waldesch, Alken, Burgen, Macken und Beulich vorrückten.“

Kriegsende Untermosel - Überquerung Hatzenport90th US-Infantry Division history: „….the bridge was completed by 315th Engineers Battalion that tanks und Tank Destroyers were able to race the support of the infantry, and the town (=Alken) was taken. Burgen and Macken were taken in quick succession despite determined. ...On the following day the 4th armored crossed the Hatzenport bridge at noon.“

(„Die Brücke wurde vom 315ten Technischen Bataillon vollendet, so dass Panzer und Panzer Zerstörer in der Lage waren, der Infanterie zu Hilfe zu eilen, und die Stadt (=Alken) wurde genommen. Burgen und Macken wurden in schneller Folge trotz Widerstand eingenommen. Am folgenden Tag überquerte am Mittag die 4te Armee die Hatzenporter Brücke.")

Feindlage: Freitag 16. März 1945
„In Waldesch, Buchholz und Pfaffenheck toben schwere Nahkämpfe"

Kriegsende Untermosel - Unter Beschuss bei der Überquerung
87th US-Infantry Division history:
„The 87th crossed the Moselle on the 16th March". Der amerikanische Nachschub rollt. Über Pontonbrücken setzen in Kobern und Hatzenport ununterbrochen amerikanische Panzer über. Sie verstärken die amerikanischen Brückenköpfe Dieblich, Niederfell, Alken und Brodenbach.“

Oberkommando West: Die Brückenköpfe Niederfell-Dieblich vereinigen sich. Teile der 87. US-Infantry Division gehen über die Mosel und dringen mit dem Reg. 347 bis Waldesch und Pfaffenheck vor, wo es zum Nahkampf Haus um Haus kommt.

Kriegsende UntermoselMehrmals wechseln an dem Tag die Häuser die Besitzer. Die 1. Kompanie des SS-Geb.Jg.Rgt.11, die nur noch aus 12 Mann mit 8 MG 42 besteht, greift das von Amerikanern besetzte Pfaffenheck an, um das II. Btl. zu entlasten. Es kommt zu schweren Verlusten auf beiden Seiten. Pfaffenheck wird bis zur Nacht des 17.03.45 von der Waffen-SS gehalten.

90th US-Infantry Division history: „The 1th and 2nd Battalions, 357th, fought last ditch SS defenders at a crossroad near Buchholz and at Pfaffenheck respectively, and forced the enemy to withdraw under cover of darkness. As an indication of the ferocity with which the SS fought, in one engagement 70 German defenders chose death rather than surrender, and only 9 were captured alive."

(„Das 1. und 2. Bataillon der 357sten kämpfte an einem letzten Graben einer Kreuzung nahe Buchholz und beziehungsweise Pfaffenheck gegen SS Verteidiger und zwangen den Feind, sich unter dem Schutz der Dunkelheit zurückzuziehen. Als ein Indiz für die Verbissenheit, mit der die SS kämpfte: bei einem Angriff wählten 70 deutsche Verteidiger eher den Tod als zu kapitulieren, und nur 9 wurden lebend gefangen genommen."

Samstag, 17. März 1945: Friede in Kobern – „Stunde Null“

Kriegsende Untermosel - Urkunde Kobern 17.03.1945Keine Sirene heult mehr. Kein Fliegeralarm treibt die Menschen in die Stollen. Keine Bedrohung durch Nazis mehr. Sie sind geflüchtet oder verhaftet. Die Amerikaner wissen genau Bescheid, wer Nazi war. Sie lassen die unbelasteten Mitglieder Kartoffeln für ihre Feldküche schälen, sie versetzten nationalsozialistische Lehrer zur Strafe an andere Schulen oder entlassen andere Beamte aus dem Dienst. Alle Waffen, auch die der Schützenbruderschaft, müssen abgegeben werden. Ganz plötzlich ist der Krieg zu Ende.

Unmittelbar nach den amerikanischen Kampfgruppen kommen die Bürokraten der Besatzungsmacht. Noch am 17. März 1945 ernennt die Militärregierung Deutschlands – Military Government – Germany – einen neuen Bürgermeister von Kobern, Herrn Kaspar Anheier. Die „Stunde Null" hat begonnen.


Kriegsende Kobern - Kaspar AnheierDer Sohn von Kaspar Anheier, Aloys Anheier, kann sich noch an dieses Ereignis erinnern: „Am 14. März evakuierten die eingerückten Amerikaner die Häuser, die unterhalb von der Marktstra-ße Richtung Mosel lagen. Unser Haus fiel auch darunter und wir waren bei der Familie Grass, uns gegenüber, untergebracht und schliefen dort im Keller. Mein Vater war Kassenrendant und hatte einen großen Geldschrank bei sich stehen. Als der amerikanische Kommandant den Geldschrank sah, ließ er meinen Vater kommen und überprüfte den Geldschrank und die Buchführung. Alles war in Ordnung. Nach 1-2 Tagen erschienen amerikanische Wachposten und nahmen meinen Vater mit zu dem Kommandanten. Er sagte zu meinem Vater: „Sie können schreiben, sie können lesen und sie können Buchführung - also sind sie ab sofort der neue Bürgermeister von Kobern. Mein Vater musste dann eine Urkunde unterschreiben und einen Eid leisten."

Insgesamt sind in Kobern-Gondorf 182 Kriegsopfer zu beklagen

kriegsende untermosel - gefallenen kobern und gondorf