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Der „Rittersaal" erzählt …

… die Geschichte des mächtigsten Ritters von Cobern

Der Rittersaal ist ein gotisches Gebäude in der Peterstraße in Kobern. Es war eines der Haupthäuser der Romelian-Wohnburg, die von hier aus bis zur Grundschule die gesamte Peterstraße und Eltzerstraße umfasste und zu der auch der Romelianturm und das Burghaus Boos-Waldeck (Haus Kaufmann) gehörte. Es war aber eigentlich kein „Rittersaal", sondern nach einem Umbau 1585 eine mittelalterliche „Zehntscheune" mit Weinkeller.

1969 wurde dieser Raum wieder entdeckt und als „Rittersaal" neu renoviert.

Die Koberner Grafikerin Elisabeth Hass-Reck übernahm die Gestaltung. Eine bessere Kennerin des Mittelalters hätte man nicht finden können. Was hat sie in diesem Raum dargestellt?

Koberner RitterDas ist er! Gerlach I., der mächtigste Ritter, den es in Kobern je gab, mit seinem Sohn Gerlach II. und mit seinem Enkel Heinrich II..

Eigentlich ist er gar kein Koberner. Er ist ein Isenburger. Er heiratete aber die Erbtochter der Koberner Oberburg und wurde so Burgherr von Cobern. Er nannte sich fortan Gerlach I. von Isenburg und CobernMit dem Heiraten war das im Mittelalter noch ein bisschen anders als heute.

Im Mittelalter spielte bei der Heirat die Liebe von zwei Menschen eine untergeordnete Rolle. Heiraten war Angelegenheit von zwei Familien. Man heiratete und hatte nachher genug Zeit, sich lieben zu lernen.

Heute ist das umgekehrt, man liebt sich und hat dann noch genug Zeit zum Heiraten.

Die Koberner Erbtochter war sehr begehrt, denn sie war nicht nur eine schöne Moselanerin, sondern sie brachte auch ganz schön was mit in die Ehe: als Wohnsitz die Oberburg, als Einnahmequelle die Vogteirechte über Münstermaifeld und Polch und außerdem das Grundrecht über das Amt Kobern, zu dem auch Wolken, Polch, Kaan und Ruitsch gehörten. Aber das Wichtigste war, die Oberburg war reichsunmittelbar, das heißt der Burgherr der Oberburg unterstand nur dem König und sonst keinem anderen Fürsten. Damit erfuhr Gerlach durch seine Heirat eine Aufwertung seiner Macht und seines gesellschaftlichen Ansehens. Der Spitzschild mit dem Reichsadler ist das äußere Zeichen/ die Visitenkarte dafür.

Der kleine Ritter von Cobern stand damit gesellschaftlich auf Augenhöhe mit dem Kurfürst von Trier und den anderen Fürsten. - Dem passte das aber gar nicht – er wollte ein geschlossenes Territorium von Koblenz bis Trier. Cobern war darin ein Makel auf der Landkarte..

Gerlach war sich vollkommen bewusst, dass der Kurfürst über kurz oder lang einen Krieg vom Zaun brechen würde. Er beschloss daher, es den Trierern zu zeigen und sich auf einen Kampf gründlich vorzubereiten.

In der alten Oberburg sah Gerlach I. wenig Chancen, seine Reichsunmittelbarkeit zu verteidigen und den drohenden Machtkampf mit dem Trierer Kurfürsten zu gewinnen.

Als erstes baute er eine neue Beringung um die veraltete Aldenburg oder Oberburg, errichtete im Burghof einen dreistöckigen, 20 m hohen Bergfried und machte die Burg wieder verteidigungsfähig.

Das genügte ihm aber nicht. Um ca. 1190 baute er deshalb nach den neuesten burgtechnischen Erkenntnissen auf einem uneinnehmbaren, nach 3 Seiten steil abfallenden Felsrücken eine neue Burg – die Neuerburg oder Niederburg. Ein Halsgraben wurde um die Burg geführt und ein mächtiger, trapezförmiger Bergfried auf einem Felsen mitten im Burghof errichtet.

Gerlach I. stand auf dem Höhepunkt der Macht. So,  wie er auch hier dargestellt ist.

Es kam, wie es Gerlach vorhergesehen hatte. Der damalige Erzbischof Johann brach einen Streit vom Zaun und belagerte 2 Jahre lang die Niederburg. Die Coberner Burgen wurden immer wieder von den bischöflichen Truppen berannt, ohne jeden Erfolg.

Wie ging diese Fehde aus?

Längswand

Dort auf der Längswand des Rittersaales ist der Ausgang dargestellt.

Gerlach kniet auf dem Boden- der Erzbischof hoch zu Ross – die Urkunde besiegelt den Verlust der beiden Burgen und aller Güter!

Besiegen konnte der Erzbischof Gerlach nicht. Durch eine List gelang es ihm aber, Gerlach I. aus seiner Burg zu locken und gefangen zu nehmen. Er ließ ihn bei Wasser und Brot in einen finsteren, feuchten Turm werfen. Da wurde sein Starrsinn gebrochen.

Das Wandbild empfindet sehr einfühlsam die Situation nach:

  • Gerlach I. muss öffentlich vor dem Erzbischof Johann niederknien – schauen Sie sich seine Miene an!
  • Er muss seinen Helm mit den stilisierten Flügeln des Reichadlers, der ein Zeichen seiner Reichsunmittelbarkeit war, abnehmen und mit bloßem Haupt dem Bischof entgegentreten.
  • Er muss sein Schwert, das er beim Ritterschlag erhielt, abgeben und damit seine Ritterwürde.
  • Auch seinen Schild mit dem Reichsadler darf er nicht mehr länger als Wappen führen.
  • Und das Allerschwerste für ihn ist es, sein bestes „Ross“ übergeben zu müssen. Ein Ritter hatte mindesten 3 Pferde, ein Saumtier für die Lasten und die Ausrüstung – ein „Pferd“ als Reisepferd und ein sehr wertvolles und edles „Ross“, das eigens für den Kampf abgerichtet war und mit dem der Ritter im Kampf eine Einheit bildete.

Was tauschte er dagegen ein? Einen Brief des Erzbischofs, in dem ihm sein bisheriges Eigentum als Lehen von Trier übertragen wird. Er wurde vom Burgherren zum Vogt/Verwalter von Cobern degradiert.

Rudolf Schäfer